Die quadratische Grundform und die leicht erhöhte Lage der Gartenzimmer gehen direkt auf die Form der historischen Boskette zurück. So wird der Bogen von der aktuellen Garten- und Landschaftsarchitektur zurück zu den gartenkünstlerischen Ambitionen Louise Henriettes geschlagen. Nach außen, durch verschiedene Heckenstrukturen abgeschirmt, stellen die Gartenzimmer intime Räume dar, in denen unterschiedliche Gestaltungen und Aktivitäten Platz finden, ohne die klare Grundstruktur des Entwurfes zu überformen.
Eifer, Tempora, Traum, Einsamkeit, Liebe, Glaube, Luxus, Zuversicht, Entspannung & Freude, Familie, Zukunft, Herkunft, Illusion, Lust, Geschick, Hoffnung
Gartenzimmer 01 Eifer
Louise Henriette brachte der Bevölkerung nach dem Dreißigjährigen Krieg mit Musterhöfen die Grundlage des modernen Land- und Gartenbaus nahe. Auf die Schwierigkeit, eine funktionierende Landwirtschaft aufzubauen, deuten das Schaf, der defekte Pflug und die Sense hin. Überragt wird das wie alle anderen 30 x 30 Meter große Gartenzimmer von einer 4,60 Meter hohen begrünten Turmhaube, die von Formgehölzen aus Hainbuchen als Torwächtern flankiert ist.
Gartenzimmer 02 Tempora
Im Zentrum des Gartenzimmers steht ein Pavillon aus Kuchenbaum, der für eine kurze Zeit im Herbst seinen Duft nach Lebkuchen entfaltet. Im Mittelkreis symbolisieren Schnittblumen die vier Jahreszeiten, helle Töne den Frühling, bunte Blumen den Sommer, der Herbst wird durch rote und braune Blüten dargestellt und für den Winter stehen kalte, blaue Farben.
Die Kombination von Schnittblumen und Feldfrüchten entspricht dem holländischen Gartenideal, der Verbindung des Schönen und des Nützlichen. Im Außenbereich wächst aus alten, lange vergessenen Sorten gezogenes Gemüse: Rosenkohl, Grünkohl, außerdem Salate zur Samengewinnung. Die Sanduhr mit dem stündlich erklingenden Glockenspiel ist ein typisch barockes Gartenaccessoire, üppig und verschwenderisch im Stil der Zeit.
Gartenzimmer 03 Traum
Ein übergroßes Bett in Blau und Orange wird von einem Dach aus zu Schirmen geformten Äpfelbäumen beschattet. Es steht in einer Fläche von duftendem Lavendel. Das Gartenzimmer ist dem Obst- und Gemüseanbau vorbehalten. Gepflanzt wurden Himbeeren und Kulturheidelbeeren, außerdem Spalierobst und Obstbäume historisch belegter Sorten wie seltene Apfel- und Birnenquitten. Interessant sind die auf eine englische Tradition zurückgehenden waagerecht wachsenden Obstgehölze als Wegbegrenzung. Eine wilde Haselnussstrauchhecke umschließt den Garten.
Gartenzimmer 04 Einsamkeit
Louise Henriette stiftete der Stadt Oranienburg das erste brandenburgische Waisenhaus. Als Calvinistin lag ihr die Unterstützung elternloser Kinder sehr am Herzen. Der Irrgarten steht für die Wirrnis menschlicher Lebenswege. Im Zentrum des Irrgartens, das von Koniferen umstanden ist, wächst aus einem Marmorstein das „einsame Kind“. Das Mittelbeet um den Stein ist unter anderem mit der lange verschollenen Versailler Nelke bepflanzt. Die Wände der schmalen Gänge beranken Buche, Feldahorn und Clematis, ein Hopfenspalier steht vor dem Eingang.
Gartenzimmer 05 Liebe
Der Garten steht für die Liebe von Louise Henriette und dem Großen Kurfürsten. Ein blühendes und duftendes Refugium voller Rosen feiert ihr großes Gefühl füreinander, denn anders als damals üblich, waren sich die Eheleute sehr zugetan – was auch die Figuren zeigen, die in der Mitte des Zimmers zueinander gefunden haben. Ausgesuchte Rosen mit abgestuften Farbverläufen von rot zu lila auf der einen, von gelb bis orange auf der anderen Seite begrenzen den Weg zur Mitte des Gartenzimmers. Einen grünen Farbtupfer in dieser verschwenderischen Fülle setzen Buxbaum-Formgehölze.
Gartenzimmer 06 Glaube
Ihr calvinistisch-protestantischer Glaube bedeutete Louise Henriette viel. Eine freie Wiese – umspannt von einem Kreuzgang – steht in diesem Gartenzimmer für die Ruhe und Abgeschiedenheit einer Klosteranlage. Viele dieser Refugien waren zu Zeiten der Kurfürstin im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden. Die Anlage ist von einer Buchenhecke umgeben, Blumen wie weiße Lilien und Blaue Glyzinien sind sparsam gesetzt. Die dominierende Farbe ist jedoch das Lila des Holzes, der Farbe der Besinnung, der Buße, der Einkehr und Umkehr. Dieses Gartenzimmer dient – wie der Name sagt – als offener Raum für Veranstaltungen der Gläubigen auf der Gartenschau und für kleine Gottesdienste.
Gartenzimmer 07 Luxus
Die Kurfürstin war eine sparsame Calvinistin, doch schönem Porzellan konnte sie nicht widerstehen. Einmal gab sie an einem einzigen Tag ihr persönliches Jahresbudget für Schmuck und Porzellan aus. Der Garten ist nach barockem Vorbild angelegt. 20.000 Buxus zeigen Muster in Form der damals beliebten Rankenornamente. Prachtvolle Orchideen in edlen, blau lasierten Keramiktöpfen, sparsam gesetzte, nur wenige Stunden blühende Taglilien und goldfarbene Sitze unterstreichen den luxuriösen Charakter des Gartenzimmers, das durch eine Buxbaumhecke begrenzt wird und dessen Ecken aufwändig gezogene Buchen-Pyramiden zieren.
Gartenzimmer 08 Zuversicht
Der Dreißigjährige Krieg hatte Brandenburg verwüstet. Der mit Steinen gefüllte Kupferkessel, aus dem eine Rose wächst, deutet Ängste und Hoffnungen an, die an diese schwere Zeit geknüpft waren. Im Garten werden Nutzpflanzen angebaut, insbesondere fast vergessene Pflanzen, wie sie einst in der Küche Verwendung fanden. Unter anderem wachsen hier Gartenmelde, Mangoldrüben und Etagenzwiebeln, Römer- und Eichblattsalat sowie Erdbeer- und Baumspinat. In der Mitte des Gartenzimmers steht ein von einer Rundbank umgebener Birnbaum; in den Hochbeeten der Holzkisten wachsen verschiedene Gemüse. Begrenzt ist das Zimmer durch ländliche Bäume der Mark: Weide, aber auch Feldahorn.
Die Gartenzimmer 09 und 16 Entspannung & Freude
Das Gartenzimmer Entspannung zeigt eine Ansammlung von Kopfweiden. Sie laden die Besucher zum Ausruhen im Schatten der Blätter ein. Sollte es stark regnen, wird die Fläche als Wasserrückhaltebecken zu einem kleinen See. Die für die märkische Landschaft typischen Weiden vertragen die Überflutung – sie können ruhig zwei bis drei Wochen im Wasser stehen.
Auch das Gartenzimmer Freude lädt zur Entspannung ein. Zierapfelbäume und zwei Himalaya-Birken mit extrem weißen Stämmen werfen Schatten. Besucher, die auf der Rasenfläche sitzen, schauen im Sommer auf Schmuckkörbchen, Ziersalbei, Spinnenblumen sowie einen Saum aus buntem Flor.
Gartenzimmer 10 Familie
Im Teichgarten stehen sieben transparente Figuren, die sich im Wind drehen und wie Traumbilder im Wasser spiegeln. Der Teichgarten ist gleichzeitig das Herzstück des gesamten Wassersystems auf dem Areal mit den an Grachten erinnernden Gräben. Das „nützliche“ technische System im Holzhaus wird gärtnerisch von „schönem“ Schilf umrahmt. Die umlaufende Steganlage mit den Tampen als Haltegriffen ist eine kleine maritime Referenz an die Bedeutung der Seefahrt in Holland.
Gartenzimmer 11 Zukunft
Louise Henriette engagierte sich stark für den Wiederaufbau des Landes nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Sie richtete Musterwirtschaften ein und förderte den Anbau bis dahin unbekannter Pflanzen wie Flachs, Kartoffeln, Tomaten, Spargel und Hopfen. Die Kombination der Nutz- und Schaupflanzen in diesem Gartenzimmer und der Flöte spielende Käfer als Nutz- oder Schadinsekt deutet auf die damals weit größere Bedrohung des Lebens durch von Jahr zu Jahr wechselnde Erträge hin. Nach Tulpen und Kaiserkronen im Frühjahr werden hier im Sommer Ananas und Spargel wachsen und die Besucher unter Bananenstauden sitzen.
Gartenzimmer 12 Herkunft
Louise Henriette stammte aus dem Hause Oranien, dem sie zeitlebens verbunden war. Das Gartenzimmer zeigt durch von Wegen durchzogene Beeten die Provinzen der Niederlande und damit, als Ganzes betrachtet, eine Landkarte des Landes. Als Blumen dominieren in Frühjahr Tulpen mit Farben von primelgelb bis tiefrot. Die blauen Flächen aus Öko-Häcksel, die für das Wasser stehen, bilden den Schauraum für 36 verschiedene Hortensiensorten, so die Kletterhortensien mit den gedrehten Stämmen. Hortensien kennzeichnen in den einzelnen Flächen auch die Hauptstädte der Provinzen. Die rosa Gase, die das Gartenzimmer umschließt, steht für die rosarote Brille, mit der Louise Henriette manchmal wehmütig auf ihre Heimat blickte.
Gartenzimmer 13 Illusion
Dieses Gartenzimmer liegt im Spannungsfeld zwischen Neuem Park und Schlosspark und verliert – als langsam sich verlierender Traum - nach Süden hin seine klaren Begrenzungslinien. Rechteckige Beete sind im Frühjahr mit weiß-gelb-orangefarbenen Frühlingsblumen wie Papaver-Sorten bepflanzt. Im Sommer wachsen Mirabilis und Malven. Die Farbpalette reicht dann von blau bis violett. Im Spätsommer dominieren Paprikafrüchte und Blattpflanzen in Rot und Silber. Daneben gibt es einige begehbare Staudenflächen mit Sandthymian und weiß blühenden Summer Pearls. Die Objekte in den Bäumen zeigen eine verdrehte Welt, Traumobjekte in einer Traumlandschaft.
Gartenzimmer 14 Lust
Der Schwan war zu Louise Henriettes Zeiten ein Symbol der Reinheit und damit ein Gegensatz zur Sinnlichkeit, für die drei Delphine als barocke Lustobjekte stehen. Die Installation „Schwan“ im Zimmer ist keine figürliche Darstellung. Stattdessen zeichnen in einer spiegelnden Wasserfläche Kugeln aus Edelstahl das Sternbild des Schwans nach und weißer Wasserhahnenfuß steht für die Milchstraße. Das Wasserbecken ist von Pergolen umgeben, in denen im Frühjahr Blumenampeln mit Hortensien hängen und im Sommer Kübel mit Lilien stehen. Jenseits der Pergolen in der Freifläche blühen zuerst Osterglocken, später weiße Annemonen.
Gartenzimmer 15 Geschick
Louise Henriette wollte die mindere Qualität gebrannter Ziegel aus Brandenburger mit Hilfe holländischer Fachleute verbessern. Davon erzählt das Gartenzimmer Geschick mit der Anmutung einer aus alten Steinen gemauerten Ziegelei. Im Eingang stehen Brückenpfeiler vom Oranienburger Kanal, in die Krone sind Fehlbrände gemauert. Genügsame Pflanzen - Stauden und Einjährige - wachsen in Ziegelsplitt. Aktionsflächen zeigen eine Feuerstelle und einen Ziegeleitisch. Eine Thuja ist Symbol für einen Schlot. Im Frühjahr geben Zwiebelblumen in Gelb, Rot und Blau den Ton an. Zu Wildtulpen und Spanischen Hasenglöckchen kommt ein Zierlauchmix. Rosa blühende Blutpflaumen bilden als Weiterführung der Mauer eine reizvolle Umrandung.
Gartenzimmer 17 Hoffnung
Dieses Gartenzimmer ist von Kindern im Rahmen des Grünen Klassenzimmers entwickelt worden. Es ist erstaunlich, wie viel Wissen darin steckt. Im ersten Beet stehen, aus altem Saatgut gezogen, Nutzpflanzen wie Salate, Tomaten und Kartoffeln. Im zweiten wachsen vor allem Brandenburger Blumen und Kräuter. Und im dritten, dem Eine-Welt-Garten, symbolisieren spezifische Pflanzen die Erdteile: ein Eukalyptus steht für Australien, ein Bambus für Asien und die Protea für Afrika.